Schulschließung: Distanzlernwerkzeug Videokonferenz mit BigBlueButton – wie geht das in Schule?

Videokonferenzen mit BigBlueButton gestalten – Gedanken zur praktischen Umsetzung in schulischem Kontext

In dieser Handreichung zum Thema Videokonferenz bildet das Open Source System BigBlueButton die softwareseitige und datenschutzkonforme Grundlage. Andere Systeme wie beispielsweise „ZOOM“ oder auch  „Microsoft Teams“ oder auch „Skype“ eigenen  sich aus Gründen des Datenschutzes nicht für den Einsatz in schulischem Kontext.

Technik: Für die Teilnahme benötigt man grundsätzlich einen Internetzugang und ein internetfähiges Gerät mit Kamera sowie ein daran gekoppeltes Headset (zur Not reicht ein Mobiltelefon mit einem Standardheadset aus—das klappt aber aufgrund der technischen Bandbreite an Geräten innerhalb einer Gruppe nicht immer gut). Optimal ist ein handelsüblicher Laptop mit integrierter Kamera (oder externer USB-Kamera) und ein per Kabel oder Bluetooth verbundenes Headset. Wichtig: Achten Sie darauf, dass der Webbrowser auf Ihrem Smartphone, PC oder Tablet-PC aktualisiert ist. Häufig kommt es vor, dass diese Programme seit Jahren nicht geupdatet wurden. Auch aus Datenschutzgründen oftmals ausgeschaltete Kamerafunktionen o.ä. können  die Teilnahme erschweren (bsp. Windos 10 Einstellungen -> Datenschutz)

Hinweis: BBB ist auch das Konferenzsystem, welches in die Niedersächsische Bildungscloud und per frischem Modul auch in ISERV integriert werden kann.

Vorüberlegungen

Ein echter Ersatzunterricht ist online nicht möglich —  das mal vorweg. Aber, wie im Übrigen bei allen digitalen Lernangeboten, ist die technische Option einer Videokonferenz oder eines Webinars mit Schülern sehr charmant und immer ein zusätzlicher Baustein des pädagogisch-didaktischen Ganzen im Lernraum Schule.

Die Ausgestaltung von Lernprozessen kann besonders in der jetzigen Corona-Krise, aber auch in anderen Situationen (z.B. kranke Schüler, Raumnot) sehr gewinnbringend sein, um Wissen, Lernstoff und Aufgaben an die Schüler zu übertragen oder sich mit Lehrkräften abzusprechen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Schulschließungen manifestiert sich bei Lehrkräften, aber auch bei Schülern und Eltern, der Wunsch, die digitalen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zu nutzen. SuS kennen diese Dinge aus der Freizeit, sie bewegen sich häufig in Umgebungen, in denen Sie Freunde treffen und sich auch per Videochatfunktion austauschen. Wie oben angedeutet, sind viele dieser Systeme aber in schulischem Kontext aus Gründen des Datenschutzes nicht einsetzbar.

Auch wenn eine solche Konferenz online stattfindet und jeder Teilnehmer möglicherweise zu Hause sitzt, ist es auch ein Instrument des sozialen Miteinanders.

Alles ist anders—Unterricht online & digital

Das Unterrichten  mit einem Videokonferenzsystem ist grundlegend anders, als es Lehrer und Schüler sonst aus der Schule gewohnt sind. Ein ganz wichtiger Unterschied und gleichzeitig eine Gelingensbedingung ist die  Kommunikationsdisziplin aller Teilnehmer. Wenn alle ungefragt durcheinandersprechen, ist das im Klassenraum schon ein Problem, in einer Videokonferenz ist das noch problematischer.

Hier gilt es zu Beginn einige grundlegende Regeln zu fixieren. Nach der zweiten oder dritten Videokonferenz haben sie die Teilnehmer grundsätzlich an diese Regeln gewöhnt und selbstverständlich wird sich auch daran gehalten.

Ein wichtiger Punkt ist auch das Thema Datenschutz, hier vor allem folgende Bereiche:

  • Persönlichkeitsrecht (Die Kamera ist an und alle TN sehen, wo man sitzt – das sollte man immer im Blick haben. Möglicherweise hört man auch Gespräche, die parallel verlaufen (Bürosituation) – oder beispielsweise, wenn Jemand während der Konferenz anruft)
  • Urheberrecht (Materialien, die präsentiert werden sollten natürlich rechtlich “klar” sein)
  • Schutz persönlicher oder sensibler Daten (sensible Daten  sind im System auch mündlich verfügbar,  spricht man beispielsweise über Schüler, hören alle zu. Auch Nebengespräche können sensible Inhalte haben, die dann einer größeren Gruppe zuteil werden). Sofern Sie mit einem externen Betreiber zusammen arbeiten, sollte ein AV-Vertrag abgeschlossen sein, damit sicher gestellt ist, wo, welche Daten warum landen.
  • Prävention: Absolutes Verbot, eine Videokonferenz mitzuschneiden oder digital zu speichern.

Tipps zur praktischen Umsetzung

 Vorbereitung: Geben Sie den Teilnehmer einer Videokonferenz oder eines Webinars vorher Zeit, sich einzuloggen und kleinere technische Probleme zu beheben (Kamerafunktion und Audiofunktion testen und Spielereien zu erproben). Ist der Termin beispielsweise um 14:00 Uhr angesetzt, seien Sie schon um 13:30 Uhr im Konferenzraum.
Starten: Beginnen Sie die Veranstaltung mit einer kurzen Vorstellung der festgelegten Regeln, schalten Sie dabei die Teilnehmer komplett stumm. Bitten Sie ebenfalls darum, dass niemand außer Ihnen (und/oder Ihrem Partner in der Konferenz) die Kamerafunktion aktiviert hat. Das steigert die technische Performance ungemein und ist oftmals ein Garant für eine positiv verlaufende Veranstaltung.
Teamplay: Idealerweise moderiert man beispielsweise eine Fachkonferenzbesprechung oder Dienstbesprechung mit einem Kollegen/ einer Kollegin. Diese kann dann im Notizbereich lesen, was den Teilnehmern auf der Seele brennt. Gemeinsam kann dann an passender Stelle auf diese Fragen eingegangen werden – möglicherweise auch im Nachgang der Konferenz per Mail oder Dateiablage.
Stabiles Internet: Sofern möglich, verbinden Sie Ihre Geräte über ein LAN-Kabel mit dem Internet, um eventuelle Aussetzer durch Schwankungen im WLAN-Netz (Funk) zu vermeiden.
Ihre Rolle: Loggen Sie sich selbst als Moderator ein, lassen Sie Kollegen oder Schüler als Teilnehmer teilhaben. Im späteren Verlauf kann man dann auch andere Zugänge mit mehr Rechten und Optionen verteilen. Zum Beginn sollten Sie moderierend das Heft in der Hand behalten. Entwickeln Sie selbst ein Gefühl für Ihre Gruppe und die Entscheidung.
Ein Glas Wasser bereit stellen!

 Weiterführende Informationen zum Thema Videokonferenz & BigBlueButton

 

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